Gratis- und Billigberatung

Mit Honig fängt man Fliegen.

Alles wird teurer. Da gilt es zu sparen, auch für Ratsuchende.

Somit gibt es nichts Schöneres, als wenn der Rechtsanwalt umsonst arbeitet. In den letzten Jahren gab es zunehmend Gratisanbieter im Internet. Von einem Journalisten, welchen RA Becker bei seinen Recherchen zu verkehrsrechtlichen Themen bisweilen unterstützt, wurde das Team der Kanzlei für Verkehrsrecht im Jahr 2014 gebeten, aus fachanwaltlicher Sicht zu prüfen, was von diesen v.a. im Bußgeldbereich tätigen Angeboten zu halten ist.

Im Ergebnis scheint die Angelegenheit (nur) auf den ersten Blick ein wirklich großzügiges Angebot zu bieten:

Man erteilt über das Internet den Auftrag zur Gratis-Prfung. Diese erfolgt mit Hilfe einer vom Betreiber der Seite im Lizenznehmerverfahren genutzten Software. Die Daten werden eingegeben,  das Programm erkennt angeblich Schwachstellen am Bußgeldbescheid. Sind diese gegeben, wird Einspruch eingelegt (gratis) und wird dem Einspruch stattgegeben, zahlt die Staatskasse den Anwalt. Bleibt der Erfolg aus, hat die Sache den Auftraggeber nichts gekostet. Will (oder muss) er dennoch weiter gegen den Bußgeldbescheid vorgehen, ist er allerdings an den Anwalt gebunden, an welchen der Fall vom Betreiber der Plattform weitergegeben wurde. Diesen sucht der Betreiber der Internetplatform aus. Möchte der Rechtsrat Suchende einen anderen Anwalt bauftragen, z.B. einen wohnortnahen oder ihm persönlich empfohlenen Fachanalt,  muss er zunächst die bereits angefallenen Kosten zahlen (quasi jene, welche ihm zunächst "erlassen" worden waren). Da ein anderer Anwalt nun ganz von vorne prüfen würde, wo Ansatzpunkte für ein erfolgreiches Vorgehen gegen den Tatvorwurf gegeben sind,  würde dieser natürlich auch ein volles Honorar in Rechnung stellen. Zudem besteht die Gefahr, dass in der Zwischenzeit wichtige Fristen verstrichen sind.

(Wenn man wie RA Becker im Rahmen der fachanwältlich-verkehrsrechtlichen Tätigkeit viele tausend Bußgeldbescheide geprüft hat, fällt es schwer sich vorzustellen, dass die sorgfältige Prüfung des Einzelfalls durch eine Software erfolgen kann. Doch jedem das seine.)

Kurzum: Hat man gar kein Geld und möchte "mal gucken, was geht", kann man´s machen.Einen Einfluss auf das weitere Geschehen hat man jedoch nicht.

Wenn es doch um etwas geht - und letztlich geht es meist mittelfristig um den Führerschein oder gar den "P-Schein"-, so sollte man sich überlegen, ob man sich derart zunächst der halbautomatisierten Prüfung unterwerfe und dann der freien Wahl des eigenen Rechtsvertreters berauben möchte. Denn die finanzielle Bindung an den Anwalt erkennt man erst im Kleingedruckten der AGBs. Drum prüfe, wer sich ewig bindet... .

Letztlich - so die damaligen Recherchen - müssen in dem beschriebenen Geschäftsmodell zu viele Parteien profitieren, damit sich der Aufwand lohnt: Der Platformbetreiben, die google-Anzeigenschaltung, der Softwareentwickler, der jeweilig verantwortliche Anwalt. Der kritische Leser wird nicht davon ausgehen, dass die Staatskasse all diese Beteiligten aufgrund unzulässiger Bußgeldbescheide finanziert. Das Finanzierungsverfahren, welches verschiedenerorts im Internet hierzu dargestellt wird ist so realisitisch wie das Selbstrettungverfahren, mit welchem der Baron von Münchhausen sich und sein Roß dereinst aus dem Sumpf befreite.

Möge man daher trotz der enthusiastischen "Bewertungen" im Netz gut überlegen, wie häufig dann wohl in Wirklichkeit doch auf die dann kostenpflichtige Beteuung des Rechtsanwalts zurückgegriffen werden muss.

Da es vieleicht doch die grenzenlose Gutherzigkeit in der Rechtsberatung gibt, werden keine Anbieter namentlich genant, damit sich niemamd zu unrecht kristisiert sehen soll. Schließlich sollen guten Taten keine Steine in den Weg gelegt werden.

Ein weiterer "Fall"-Strick:

Auch die Rechtsschutzversicherer haben inzwischen bemerkt, dass es teurer für sie ist, wenn der Versicherungsfall eintritt. Entsprechend wurden immer höhere Selbstbehalte  in die Policen eingebaut. Ein weiterer Ansatz, zu dem es sich lohnt kritisch nachzudenken, ist dass der Rechtsschutzversicherte zunächst seinen Fall von einem Anwalt des Rechtsschutzversicherers (angestellt oder "frei" im Auftrag) prüfen lassen soll, damit die Erfolgsaussichten geklärt werden. Bei dieser Prüpfung entfällt dann oft der Selbstbehalt. Hier mag sich nun der Ratsuchende selbst überlegen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass der von der Rechtsschutzversicherung beauftrage Anwalt, welcher von ebenjener seine Aufträge oder gar sein Gehalt erhält, in einem kniffligen Fall zur Klage rät, durch welche der Rechtsschutzversicherung Anwalts-, Gerichts und Gutachtenkosten entstehen.